(En Detail beim
Resident Advisor schöner (und vor allem schon im Dezember des Vorjahres) erklärt als hier)
Seit dem ersten Autonomic Podcast und seit dem ich das erste mal
Wonder Where von dBridge gehört hatte war mir klar:
Das ist die Zukunft! Was frischeres habe ich seit James Holden nicht mehr gehört. Mein engerer Kreis der zu bekehrenden musste dann auch wochenlang meine Lobeshymnen auf den Track ertragen. Und das ging bei den anderen Autonomic Layers dann so weiter.
Und aber gleich mal mit dem Hype aufzuräumen: Das firmiert zwar noch unter Drum'n Bass, aber eigentlich nur, weil alle Protagonisten aus dem DnB kommen. Die Tracks selber sind zwar durchaus auch mal bei 170 BPM angesiedelt, aber Snares und Bassdrum werden auch gerne mal weggelassen. Würde man die Künstler gegen Leute aus der Dubstep Szene tauschen, könnte das auch ohne aufzufallen als solcher durchgehen. Oder wenn ein Berliner Mimimalhans sowas machen würde, wäre das auf jeden Fall minimal-Techno. Oder wenn alte Tangerine Dream Aufnahmen gefunden werden würden, dann auch. Oder wenn Miami Vice Folgen kämen, würde es dort auch reinpassen.
Ehrlicherweise müsste man dazu 80ies-Electro-Elektronika-Ambient-Minimal sagen.
Kurzum: DnB ist das nun wirklich nicht, aber wird als DnB Innovation vermarktet. Ich bin schon gespannt, wann DeBug und Groove 18 Seitige Leitartikel über die "
flotter philospohischer dreier-Liaison zwischen Minimal Techno, Dubstep und Drum'n Bass" schreiben, sobald einer der Vilalobos-Gemeinde so einen Track aus Versehen im Druffsein mal auflegt. Die bisherigen Features in den beiden Magazinen zum Album launch waren jedenfalls wie zu erwarten euphorisch hoch drei. Zu recht!
Zugegebenerma?en ist der Reiz mancher Tracks dieser Compilation also vor allem dem Erscheinen in einem DnB Umfeld geschuldet. Von Minimal-Techno wurden die Drum-Samples entliehen, aus den 80ern die Synthie-Lines (könnten auch bei Klaus Schulze so laufen) und der Miami-Vice-Kitsch, aus den 90ern die Electro-Patterns und aus dem Dubstep na eben die Dubeffekte. Vom DnB höchstens vielleicht das (selten so hoch wahrnehmbare) Tempo und der Hochglanz-Klang. Zusammengebraut klingt das entspannt, futuristisch, retro, deep, neu, frisch. Und das erstaunliche dabei ist, dass der vom Privatradio ausgelutschte Satz "
das Beste der 80er, 90er und von heute" eben genau hier das allererste mal stimmt!
Das Ding hat die Chance zum Genre-?bergreifenden Erfolg, denn es ist sicherlich für eine breites Spektrum der Geschmäcker was dabei, ohne das es beliebig klingt. Auch beim xten Mal hören kann man noch das eine oder andere Detail erkennen. In Summe ein Album, mit dem dBridge und Inste:Mental ihr Ziel erreicht haben: zeitlos gute und entspannende elektronische Musik abzuliefern.
Ich bin überzeugt, dass das ein Klassiker wird. Selbst wer nur Material für's Wichtigtun beim DnB-Diskurs am Firmenfeier-Bankett sucht, findet hier was, um seine Kollegen zu beeindrucken.
Final Fazit: Naja, was soll ich jetzt noch sagen. Man mag das für einen gekauften Review halten, aber ich kann hier einfach nur in Ehrfurcht den Pressetext von Fabric selbst zitieren:
Their gatecrashing of the drum & bass scene over the last few years could yet go down as a milestone in drum & bass. Their arrival, and their approach to making music ' which casts aside the shackles of perhaps the last ten years of drum & bass conformist production ' has done wonders for making D&B exciting, innovative and relevant again to those outside the perimeters of its traditional fan base.
Hört, hört!